Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

Zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. Joseph Egger, Primar der Pädiatrie am Krankenhaus Meran.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betrifft bis zu 9% aller Schulkinder und 4% der Erwachsenen. Aufgrund einer Störung im Dopamin-Stoffwechsel des Gehirns sind Betroffene leicht ablenkbar und trotz normaler Intelligenz reicht ihre Konzentration nicht aus, um komplizierte Aufgaben zu Ende zu bringen oder sich Lerninhalte anzueignen. Schulversagen und fehlende Schulabschlüsse bei einem Viertel der betroffenen Jugendlichen sind die Folge. Kinder und Jugendliche fallen besonders durch ihre motorische Unruhe auf, Buben mehr als Mädchen, während beide - Buben und Mädchen gleichermaßen - durch Teilleistungssschwächen beeinträchtigt sind (Lese- und Rechtschreibschwäche 60%, Rechenschwäche 30%, Wahrnehmungsstörungen 20%). Kinder mit ADHS sind oft isoliert, andere Kinder wollen nicht mit ihnen spielen, sie werden nicht eingeladen - z.B. zu Geburtstagsfeiern - und ADHS-Kinder sind immer der "schwarze Peter", auch wenn sie es gar nicht sind. Darauf reagiert das ADHS-Kind notgedrungen mit Agressivität, Destruktivität und Wutanfällen. Schwerer psychosozialer Druck durch die Allgemeinheit und durch Schulen auf die Familie Betroffener sind die Folge, was nicht selten zu Gewalt in der Familie und letztendlich zum Auseinanderbrechen der Familie führt.

Der aktuelle Gesundheitstipp

Wenn Sie oder die Schule vermuten, dass Ihr Kind an ADHS leidet,

  • lassen Sie eine professionelle Aufmerksamkeitstestung durchführen;
  • suchen Sie ein Gespräch mit Ihrem Kinderarzt und der Schulpsychologin, um die Dynamik des ADHS-Kindes besser verstehen und managen zu können. Sprechen Sie darüber auch mit der Schule oder dem Kindergarten Ihres Kindes.
  • 70% der Kinder mit ADHS haben eine unausgewogene Ernährung oder sogar eine Fehlernährung; 25% sind süchtig nach Süßigkeiten. Oft normalisiert sich das Verhalten des ADHS-Kindes unter einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, unter Vermeidung folgender chemischer Nahrungsmittelzusätze, die auf den Nahrungsmitteletiketten mit E-Nummern gekennzeichnet sein müssen: Tartrazine (E 102), Gelborange (E 110), Carnoisin (E 110), Cochenillerot A (E 124), Allurarot (E 129) und Benzoate (E 211).
  • Haben sich nach vier Wochen unter ausgewogener Ernährung und Vermeidung von chemischen Zusätzen in Speisen und Medikamenten Überaktivität, Konzentrationsvermögen, Impulsivität und Schlafstörung Ihres Kindes nicht gebessert, ist der Versuch einer "oligoantigenen Diät" indiziert. Die oligoantigene Diät wird in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Team, bestehend aus Kinderarzt, Kinderneurologen, Diätassistentin und Neuropsychologin eingesetzt und hinsichtlich der qualitativen und quantitativen Nahrhaftigkeit und hinsichtlich des Erfolges auf Ablenkbarkeit, Überaktivität, Impulsivität und Schlaf überwacht. Die Erfolgsrate der Pädiatrie am Krankenhaus Meran liegt bei 70%. Gleiche Ergebnisse werden von der Universitätskinderkliniken London und München berichtet. Unter der oligoantigenen Diät bessern sich üblicherweise auch Begleitsymptome wie Kopf- und Bauchschmerzen, die beim Kind mit ADHS häufiger auftreten als bei Gesunden.
  • Sollte sich unter Ernährungsumstellung und unter Verhaltensmodifikation das ADHS nicht gegeben haben, ist ein Behandlungsversuch mit Psychostimulantien, z.B. mit Methlylphidat (Ritalin) indiziert.