Dickdarmkrebs vorbeugen

Zur Verfügung gestellt von Dr. Karl Rainer, Primar der Chirurgie im Krankenhaus Meran.

Dickdarmkrebs ist der häufigste Krebs in den zivilisierten Ländern, auch in Südtirol. Dabei gilt, wenn wir hier von Dickdarmkrebs sprechen, dasselbe auch für den Mastdarmkrebs.

Wie bei allen bösartigen Erkrankungen ist es auch beim Dick- und Mastdarmkrebs ganz wesentlich, in welchem Stadium die Krankheit entdeckt wird. So haben z.B. Dickdarmkarzinome, die bereits Symptome zeigen, eine wesentlich schlechtere Heilungschance als solche Krankheitsstadien, die noch keine Krankheitszeichen aufweisen. Es gilt daher, die Krankheit möglichst früh, also bevor Krankheitssymptome auftreten, zu erkennen. Noch wichtiger als die Früherkennung ist die Vorbeugung der Krankheit.

Wie kann man das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, verringern?

Die Ernährung sollte ausgewogen, vielseitig und faserreich sein. Die Mahlzeiten sollten auf den ganzen Tag verteilt werden, also lieber fünf kleine Mahlzeiten als drei große. Der Konsum an tierischen Fetten, insbesondere an geräucherten Fleischwaren, sollte eingeschränkt werden. Empfehlenswert ist außerdem, viel zu trinken und viel Bewegung. Vermeiden Sie Übergewicht. Weitere Risikofaktoren sind starkes Rauchen und erhöhter Alkoholkonsum. Auch Darmkrebsvorkommen in der Familie stellt ein erhöhtes Risiko dar.

Da die Früherkennung der Krankheit ganz wesentlich die Prognose beeinflusst, sollten neben einer gesunden Ernährungsweise regelmäßig Vorbeugeuntersuchungen von allen Menschen ab einem bestimmten Alter oder bei Vorliegen der bereits erwähnten Risikofaktoren vorgenommen werden. 90% der Krebse entstehen als gutartige Gewächse im Darm, sog. Polypen. Diese Polypen benötigen 10 Jahre, bis sie sich in Krebs umwandeln. Deshalb ist gerade Früherkennung dieser Polypen und ihre Abtragung während einer Dickdarmspiegelung enorm wichtig. Um sie im Dickdarm rechtzeitig zu erkennen, stehen uns prinzipiell zwei Untersuchungen zur Verfügung:

1. Test auf unsichtbares (okkultes) Blut im Stuhl;

2. direkte Untersuchung des Mast- oder Dickdarms mittels Dickdarmspiegelung.

Der Test auf unsichtbares Blut im Stuhl ist ein sehr einfacher Test. Wenn Blut gefunden wird, ist der Test positiv. Sollte der Test negativ ausfallen, sollte man ihn nach ein bis zwei Jahren wiederholen. Die Ursache für ein positives Testergebnis muss dabei nicht immer ein Darmkrebs sein. So können z.B. Magenblutungen oder Hämorrhoiden zu einem falschen positiven Ergebnis führen. Ist der Test jedoch positiv und andere Ursachen können ausgeschlossen werden, sollte eine Dickdarmspiegelung durchgeführt werden. Die Dickdarmspiegelung ist die beste Methode zum Erkennen von gut- und bösartigen Veränderungen der Darmschleimhaut. Gleichzeitig kann man während der Dickdarmspiegelung entweder Polypen abtragen oder bei Verdacht auf einen Dickdarmkrebs, Gewebsproben entnehmen.

Der aktuelle Gesundheitstipp

Wenn Sie gesund sind, also keine Symptome und keine der oben genannten Risikofaktoren aufweisen, genügt es, ab dem 50. Lebensjahr mit den Untersuchungen zu beginnen. Eine Untersuchung auf unsichtbares Blut alle zwei Jahre im Stuhl, sowie eine Dickdarmspiegelung alle 10 Jahre ab diesem Alter kann das Auftreten der Dickdarmkrebserkrankung weitestgehend verhindern.

Wenn Sie gesund sind, aber ein erhöhtes Risiko aufweisen, an Dickdarmkrebs zu erkranken, sollten Sie bereits zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr Vorbeugeuntersuchungen durchführen lassen. Wenn bei einem Verwandten 1. oder 2. Grades (Eltern, Geschwister) bereits ein Dickdarmkrebs behandelt wurde, sollte eine eingehende Familienberatung durch den Vertrauensarzt erfolgen. Die erste Dickdarmspiegelung (Colonskopie) sollte dann ca. 10 Jahre vor jenem Alter vorgenommen werden, in dem die Krankheit beim Verwandten festgestellt wurde. Dies gilt besonders, wenn der Betroffene vor dem 60. Lebensjahr erkrankt ist. Diese Untersuchung sollte dann alle fünf Jahre wiederholt werden. Dazwischen kann im Abstand von einem Jahr der Stuhl auf Blut untersucht werden. Sollten jedoch Symptome bereits aufgetreten sein, etwa eine Änderung der Stuhlgewohnheiten (Wechsel von Durchfall und Verstopfung, zunehmende Verstopfung, länger dauernde Durchfälle), Blut- und Schleimabgang über den After oder Schmerzen, Blähungen, Gewichts- und Kraftverlust, Appetitlosigkeit, dann sollten Sie unverzüglich Ihren Vertrauensarzt konsultieren.