Tipps fürs Gehirn

Zur Verfügung gestellt von Dr. Christian Wenter, Primar der Geriatrie im Gesundheitsbezirk Meran.

Wenn wir älter werden, werden wir in vielen Beziehungen weiser. Dank unseres Erfahrungsschatzes können wir bessere Entscheidungen treffen, besitzen wir einen größeren Wortschatz und kennen uns in bestimmten Fachbereichen besser aus als in der Jugend. Andererseits wird es - wenn unser Gehirn altert - oft schwieriger, neue Informationen aufzunehmen oder sich an Dinge zu erinnern. So kann es uns größere Schwierigkeiten bereiten, uns an die Telefonnummer des Nachbarn oder an den Geburtstag unseres Enkels zu erinnen. Dennoch, es gibt diesbezüglich eine gute Nachricht: wir kennen zunehmend mehr Dinge, die man tun kann, um das eigene Gehirn scharfsinnig und gut funktionierend zu erhalten, und zwar während der ganzen Lebensdauer. Die Wissenschaft spricht dabei von "kognitiver Vitalität", und es gibt immer mehr gesicherte Erkenntnisse dazu, was beitragen kann, bis ins höchste Alter kognitiv fit zu bleiben. Neueste Forschungsergebnisse belegen, dass, wer sich regelmäßig körperlich betätigt und aktiv Sport treibt, wer sich gesund ernährt und wer lebenslang intellektuell kreativ bleibt, dadurch auch kognitiv vital und fit bleiben und die eigene Denk- und Merkleistung nachweislich erhalten und lebenslang steigern kann. Hier einige Tipps, die auf den neuesten Forschungsergebnissen zur kognitiven Vitalität basieren:

Suchen Sie regelmäßig Ihren Hausarzt auf

Zivilisationskrankheiten - wie z.B. Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Depression, Fettstoffwechselstörungen - können Ihrem Gehirn schaden. Regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt sind wichtig, um sich über den eigenen Gesundheitszustand zu vergewissern und um ev. gesundheitliche Probleme unter Kontrolle zu halten. Befolgen Sie die Ratschläge und Empfehlungen Ihres Hausarztes.

Bewegen Sie sich regelmäßig

Regelmäßige körperliche Betätigung - mindestens 45 Minuten 3 mal in der Woche - kann die Gehirnleistung besonders positiv beeinflussen. Bewegung pumpt über den gesteigerten Blutfluss Sauerstoff ins Gehirn und trägt dadurch dazu bei, dass das Gehirn gesund bleibt und besser arbeitet. Spazieren gehen ist wahrscheinlich die einfachste Art der Bewegung. Tragen Sie dabei bequeme Schuhe und nehmen Sie einen Freund oder Bekannten zum Spazieren mit. Andere günstige Möglichkeiten, Bewegung zu machen und sich fit zu halten sind beispielsweise tanzen, Rad fahren, schwimmen oder im Garten zu arbeiten.

Achten Sie auf genügend Schlaf

Ältere Erwachsene brauchen nicht weniger Schlaf als jüngere Erwachsene. Wer über längere Zeit in der Nacht weniger als sieben oder acht Stunden schläft, muss mit Aufmerksamkeitsdefiziten und Gedächtnisschwierigkeiten rechnen.

Vermeiden Sie Dauerstress

Auf längere Sicht kann Stress einen guten Schlaf stören. Stress kann es erschweren, sich zu konzentrieren, neue Informationen aufzunehmen und sich zu erinnern. Bewegung, Gebet und Meditation helfen, wieder in die gesunde Balance aus positiver Anspannung und Entspannung zu finden.

Denken, denken, denken

Je mehr Sie Ihr Gehirn anstrengen, desto besser wird es funktionieren. Lesen Sie. Machen Sie Kreuzworträtsel. Spielen Sie Karten. Engagieren Sie sich in einem Verein, besuchen Sie kulturelle Veranstaltungen. Schreiben Sie sich in einem Kurs ein. Scheuen Sie sich nicht, auch in fortgeschrittenerem Alter noch ein (neues) Musikinstrument zu spielen oder eine Sprache zu erlernen.

Pflegen Sie soziale Kontakte

Mit anderen Leuten und in Gesellschaft Zeit zu verbringen, tut dem Gehirn ebenfalls gut. Suchen Sie Gelegenheiten, Menschen zu treffen, neue Leute kennen zu lernen und sich mit anderen Menschen auszutauschen. Melden Sie sich zu einem ehrenamtlichen Dienst oder zu einer Arbeit. Soziale Menschen denken besser.

Ernähren Sie sich richtig

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit wenig gesättigten Fettsäuren (wie sie in frittierten Speisen, Butter, Käse, Rinder- oder Schweinefleisch vorkommen), aber reich an Gemüse und Obst mit viel Mineralien und Vitaminen ist gut für die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Wenigstens ein Mal pro Woche sollten Sie Fisch essen, besonders Lachs, Thunfisch, Sardinen und Makrelen. Diese Fischsorten enthalten reichlich Omega-3-Fettsäuren, die im Ruf stehen, die Denkleistung zu verbessern. Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie zudem Vitaminpräparate zu sich nehmen sollten. Ein Gläschen Rotwein täglich kann als Leistungsverbesserung auf das Gehirn wirken. Auf keinen Fall mehr!

Diese Ratschläge leiten sich aus den Forschungsergebnissen der letzten Jahre ab und sind laut der American Geriatrics Society A.G.S. dazu angetan, die Gesundheit und das Wohlbefinden der älter werdenen Erwachsenen zu erhalten. Als Faustregel gilt: Wer seinen Körper gut behandelt, stärkt seinen Geist. Körperliche Bewegung, ausreichend Schlaf, das soziale Miteinander und ein kreativer Lebensstil halten das Gehirn fit.

Der aktuelle Gesundheitstipp

  • Tabakastinzenz
  • Ausgewogene gesunde Ernährung
  • Wenig Alkohol
  • Regelmäßige Bewegung und Sport
  • Ausreichend Schlaf
  • Solide Liebesbeziehung
  • Kein Dauerstress
  • Soziale Kontakte
  • Lange, gute Ausbildung - regelmäßige intellektuelle Arbeit
  • Regelmäßige Arztbesuche