Blutvergiftung

Zur Verfügung gestellt von Dr. Gerold Drüge, Primar des Dienstes für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Meran.

Sepsis ist der medizinische Begriff für Blutvergiftung. Eine Blutvergiftung geht immer von einer zunächst lokal begrenzten Infektion aus, die Bakterien, Pilze oder andere Erreger (z.B. Malariaerreger) auslösen. Jede Infektion kann grundsätzlich in eine Sepsis ausarten; Infektionserkrankungen treten heutzutage immer häufiger auf.

Es gibt vier Hauptsymptome einer Entzündung:

  • Schmerz
  • Lokale Überwärmung und Fieber
  • Rötung
  • Schwellung

Diese Erscheinungen finden sich jedoch nicht immer am Ort der Infektion. Wenn es dem Körper nicht gelingt, diese Infektion auf den Ursprungsort zu begrenzen (bei der Lungenentzündung auf die Lunge oder bei der Mandelentzündung auf die Mandeln), lösen die Gifte der Krankheitserreger eine Entzündungsreaktion in allen Organen des Körpers aus. Innerhalb weniger Stunden weisen lebenswichtige Organe des Menschen die o.g. Entzündungszeichen auf und es drohen, zu versagen:

  • der Kreislauf (Schock)
  • die Nieren (Nierenversagen)
  • die Lunge (Lungenversagen)
  • die Leber (Lebervversagen).

Die Abwehrmaßnahmen des Organismus richten sich schließlich auch gegen den eigenen Körper. In dieser Situation besteht ohne sofortige intensivmedizinische Behandlung keine Überlebenschance. Ca. 25 - 40% dieser Patienten versterben trotz einer Antibiotikatherapie und Intensivbehandlung; häufig, weil die Sepsis zu spät erkannt wird.

Wie erkennt man eine Sepsis?

  • Verwirrtheit
  • Hohes Fieber
  • Beschleunigte Atmung
  • Beschleunigter Herzschlag
  • Erniedrigter Blutdruck

Diese Zeichen können jedoch auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Die frühe Diagnose einer Sepsis ist schwierig. Mit neuen Diagnosemethoden im Blut von Patienten kann die Sepsis früher erkannt werden als dies durch alleinige Untersuchung  des Patienten möglich ist.

Wie häufig ist eine Sepsis?

In den USA erkranken 3 von 1000 Menschen oder 2 von 100 Krankenhauspatienten an einer Sepsis. 44,5% dieser Patienten sind vorher gesund gewesen. Trotz moderner Intensivtherapie ist die Todesrate der Blutvergiftung hoch: sie liegt bei ca. 40%.

Von welchen Entzündungen geht eine Sepsis häufig aus?

  • Lungenentzündung (44,0%)
  • Erreger im Blut (17,3%)
  • Entzündung der Harnwege (9,1%)
  • Entzündung der Bauchorgane (8,6%)
  • Wund- und Weichteilinfektionen (6,6%)
  • Katheterinfektionen (2,2%)
  • Andere Infektionen (12,2%)

Wie kann man eine Sepsis behandeln?

Die moderne Intensivtherapie macht die Behandlung der Sepsis nach Richtlinien, die sich auf eine große Anzahl von Untersuchungen stützen, möglich:

  • Künstliche Beatmung
  • Nierenersatzverfahren (Dialyse)
  • Differenzierte Schockbehandlung
  • Künstliche Ernährung und Insulintherapie
  • Ersatz von körpereigenen Blutzellen und -stoffen

Trotz dieser Maßnahmen ist unter Umständen auch eine Behandlung mit Medikamenten angezeigt, die die körpereigene Immunantwort unterstützen. Eine frühe Behandlung des Schockzustandes ist ebenso eine esentielle Therapie, mit der die Sterblichkeit von 46,5% auf 30,5% gesenkt werden konnte. Obwohl in den letzten Jahren Fortschritte auf dem Gebiet der Sepsisbehandlung erzielt worden sind, ist die Sepsis Todesursache Nummer 1 auf Intensivstationen, die nicht herzkranke Patienten behandeln.

Der aktuelle Gesundheitstipp

Wie kann man eine Butvergiftung verhindern? Leider gibt es von ärztlicher Seite wenig konkrete Tipps, die ein Patient selbst befolgen kann. Wichtig ist auf jeden Fall die sofortige medizinische Behandlung:

  • Frühzeitige Antibiotikatherapie
  • Entfernung des entzündlichen Herdes (z.B. Entfernung der entzündeten Gallenblase).

Trotz dieser Maßnahmen kann man eine Sepsis auch heute noch nicht zuverlässig verhindern. Diesbezügliche Informationen gibt Ihnen gerne der behandelnde Arzt. Falls der Patient auf der Intensivmedizin im Krankenhaus Meran liegt, können die Angehörigen diesen - diese Regelung ist neu - nun jeden Tag von 13:00 Uhr bis 19:00 Uhr besuchen.

Informationen: Anästhesie und Intensivmedizin im Krankenhaus Meran, Tel. 0473 263100.